Alice Hive: SHATTENTAK - spurlos [Rezension]

Veröffentlicht auf von Daniel

Einige treue Leser wissen vermutlich von meiner Tätigkeit als Rezensionist bei Rocktimes.de und dem Rock It!. Und so schön es sein mag, in sehr regelmäßigen Abständen CDs und DVDs von weltbekannten Acts frei Haus geliefert zu bekommen - an einem gewissen Punkt meldet sich die Sehnsucht nach dem Besonderen, dem Neuen und Anderen. Nach Musik von der Sorte, die in den großen Webzines und Publikationen untergeht, nach Bands und Künstlern, die sich ohne Label und Rückendeckung automatisierter Promotion-Agenturen durchschlagen.

Bei meiner neuesten Entdeckung in diese Richtung handelt es sich um eine deutsche Künstlerin, die unter dem Pseudonym ALICE HIVE zuletzt das online vertriebene Album "spurlos" über Bandcamp veröffentlichte. Bezeichnend ist der Projektname: SHATTENTAK spricht sich Schattentag und gibt schon einen Hinweis auf die düstere und nachdenkliche, in sich selbst gekehrte Grundstimmung der zwölf authentischen Titel. Zwar wandert "spurlos" oberflächlich betrachtet auf Electro-Pop-Pfaden, doch die beklemmenden Synthieklänge und verstörenden Melodien lassen eher an Avantgarde Metal-Formationen á la Samsas Traum oder ASP denken. Die Lyrics, die wie lose Gedankenfetzen anmuten, verstärken den Eindruck.

SHATTENTAK besitzt den Charakter eines ungeschliffenen Diamanten, inspiriert, ist schmerzhaft ehrlich und echt. Wer sich traut, zahlt den
Preis seiner Wahl und hört "spurlos" während eines tristen Herbstspaziergangs über Kopfhörer. Lässt man sich ganz auf die intime Wirkung ein, in die Melodien fallen und von den repetitiven Textzeilen hypnotisieren, so begegnet man vielleicht nicht nur der Künstlerin, sondern auch dem eigenen Ich.

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