Buchrezension: Nick Hornby - Juliet, Naked

Veröffentlicht auf von Daniel

Im Laufe dieser Buchbesprechung will ich mich hüten, derselben leidenschaftlichen Verbohrtheit anheim zu fallen, die dem fanatischen Fan Duncan in Juliet, Naked zum sozialen Verhängnis wird. Nick Hornby's Romane Slam, How To Be Good und ganz besonders High Fidelity machten mich zu einem großen Bewunderer des britischen Musikexperten, Pop-Poeten und Fußballfans. Da noch ein Mindestmaß an Objektivität zu wahren, erfordet viel Disziplin. Ich verspreche aber, mein Bestes zu geben.

In Juliet, Naked erzählt Nick Hornby vom Schicksal des Zweck-Pärchens Duncan und Annie, das Auge in Auge mit der ersten Midlife Crisis im Sumpf der Trivialität zu ersticken droht. Auch die von Duncan inizierte Pilgerreise aus einem verschlafenen englischen Kaff heraus nach Amerika schafft kaum Abhilfe - besteht doch Duncans einzige Motivation darin, den kümmerlichen Spuren seines größten Idols und des mittlerweile von der Bildfläche verschwundenen Tucker Crowe nachzujagen. Crowe war irgendwann einmal so etwas wie ein Rockstar, dessen Anhängerschaft sich nunmehr aus fünfzehn besessenen Fans zusammensetzt, die kaum Besseres zu tun haben, als täglich ihr vermeintlich geballtes Expertenwissen über ein Online-Message-Board kundzutun.

Als Annie eines Tages nicht mehr in der Lage ist, Duncans Ignoranz und Selbstgefälligkeit zu ertragen, wagt sie es, ihre ganz persönliche Meinung zu Tucker Crowes kurz vor der Veröffentlichung stehenden Demo-Albums über das geliebte Message-Board ihres (in Folge dessen entsetzten) Freundes zu verbreiten. Doch wer hätte schon ahnen können, dass sich der verschollen geglaubte Tucker Crowe in Annies Worten endlich verstanden fühlt und sich bei ihr meldet ...

Mehr soll von der Geschichte nicht verraten werden und zumindest für die folgenden Zeilen will ich meine Objektivitätsgarantie ein wenig zurückfahren. Denn an der Stelle müssen einige persönliche Worte zu Juliet, Naked einfach raus. Nick Hornby's frischt veröffentlichtes Werk strotzt nur so vor poetischen Bildern und verblüffend authentischen Einblicken in die Fankultur. Während Juliet, Naked erzählerisch viele Parallelen zu How To Be Good aufzeigt, so fühlt man sich doch auch irgendwie an High Fidelity erinnert. Wobei der Blick auf ausgeprägten Musikenthusiasmus hier ungleich kritischer ausfällt. Das erstaunliche Einfühlvermögen in seine eigenen Charaktere und die bildhafte Darstellung von Resigniertheit, Banalität und Tristesse rufen bei mir an der Tastatur großen Respekt, in gleicher Weise aber auch Entmutigung hervor. Wie muss ein Autor wohl gestrickt sein, um so schreiben zu können? Und wie ist es möglich, dass ich mich als Leser in jeder der grundverschiedenen Personen ein wenig wiederfinde?

Mein (wieder etwas besonneners) Fazit: Falls jemand den Eindruck gewonnen haben sollte, es handle sich hier um einen schwer verdaulichen Brocken pessimistischer Literatur, den will ich beruhigen. Kein bisheriger Hornby brachte mich so oft und so herzhaft zum Lachen wie Juliet, Naked, dessen 360 Seiten wie im Fluge vergingen. Zwar fehlt mir eine Vergleichsmöglichkeit, jedoch machte auch die Übersetzung einen hervorragenden Eindruck. Wer sich dem Schreibstil des Briten zugeneigt fühlt, der darf in diesem Fall blind zugreifen (was aufgrund des sehr gelungen Covers aber keine Notwendigkeit darstellt).

Über diesen Link habt ihr die Möglichkeit, Nick Hornby's Juliet, Naked versandkostenfrei zu bestellen und Fiddler's Blog zu unterstützen. Dankeschön!

Und vielen Dank auch an alle Leser, die Larry Doyle's Ich liebe Dich, Beth Cooper bestellt haben. Dan Brown's The Lost Symbol (Das verlorene Symbol) wurde gestern geliefert und sobald ich damit durch bin, folgt selbstverständlich die nächste Buchrezension. Ich freue mich übrigens über jede Meinung zu den besprochenen Romanen, hinterlasst einfach einen Kommentar!

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Vivienne Vernier 11/12/2009 15:21


Gute Rezensionen, ich werde hier öfters mal vorbeischauen.


Daniel 11/14/2009 14:10


Freut mich zu hören ;) Irgendwo habe ich auch gelesen, es gäbe neue (digitale) Kurzgeschichten von Hornby. Muss mich dringend mal schlaumachen ...


lila 09/18/2009 17:47

Ich glaube ich werde mir dieses Buch, in naher Zukunft, doch mal vornehmen :P

Daniel 09/19/2009 02:41


Mich deucht, sie sprechen in gar sehr blasiertem Ton. Jedoch sei ihnen aus tiefstem Herzen angeraten, sich dieses Buch in naher Zukunft tatsächlich
einmal vorzunehmen. :)