Sternstunde des Sci-Fi-Genres: Neill Blomkamp's District 9

Veröffentlicht auf von Daniel

Lange gehypt, endlich auch bei uns im Kino: Vergangene Woche startete Neill Blomkamps Science Fiction-Film District 9, für den selbst Peter Jackson (Der Herr der Ringe, Braindead) als Präsentator die Hand ins Feuer legt, in den deutschen Kinos. Ich gestehe, meine eigenen Erwartungen waren unverschämt hoch, meine kühneren Hoffnungen vermeintlich vermessen, nachdem ich bereits etliche Reviews gelesen und Stimmen gehört hatte, in denen District 9 unter anderem zum Genreklassiker (Cinema) und zum cineastischem Triumph (Cicero) erhoben wurde.



Teils noch euphorischer nahmen die Amerikaner das Spektakel auf, vielleicht weil Genrefans gerade dort dem allwöchentlichen Hollywood-Mainstream allmählich überdrüssig werden (man darf ja wohl noch träumen?). Wer sich bisher nichts unter dem Film vorstellen kann, sortiert ihn an der Stelle bitte nicht in die Schublade der B-Movies ein. Auch bei den Fanboy-Streifen wird es District 9 zu eng. Selbst wenn Neill Blomkamps filmischer Befreiungsschlag tatsächlich auf die Blockbuster-Fließbandproduktion spuckt (der vorangegangene Trailer zu Roland Emmerichs 2012 bekommt im Nachhinein einen geradezu widrig banalen Beigeschmack), so sind die Special Effects dennoch am Puls der Zeit, gehören sogar zum Besten und Realistischsten, was bisher alienmäßig über die Leinwand krabbelte.



Reviews, Zusammenfassungen und Fanmaterial gibt es im Internet zu Hauf. Wer sich schon länger für District 9 interessiert, hat die vielversprechenden Trailer bereits gesehen, die aufwendige Website durchgearbeitet und den Wikipedia-Eintrag als Desktophintergrund eingestellt. All denjenigen, die noch keine Ahnung haben, was sie im Kino erwartet, empfehle ich aus tiefstem Filmfan-Herzen, die obligatorische Karte völlig ahnungslos und vorurteilsfrei zu lösen. Ihr liebt das Unkonventionelle und würdet gerne sehen, was passiert, wenn Science Fiction mit Sozialkritik und Independence Day mit Full Metal Jacket vermengt wird? Dann ab ins Kino und viel Vergnügen mitsamt heruntergeklappter Kinnlade im bedeutendsten Film des Jahres. One movie to rule them all - um es in Peter Jacksons Worten zu formulieren. Oder wie wärs damit:

District 9 > Sämtliche Science Fiction-Filme des Jahrzehnts*

*Avatar (Dezember 2009) ausgenommen, James Cameron gestehe ich mit seinem bunten Ausflug nach Pandora in 3D zumindest noch eine kleine Chance zu.

Veröffentlicht in film & tv

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Basti 09/16/2009 08:46

Ich fand ihn OKAy, aber den Hype nicht wert. Und das eher offene Ende fand ich doof...

Daniel 09/16/2009 11:45


Ich will deine Meinung bestimmt nicht zerreden, habe auch schon einige andere Ähnliches schreiben sehen und sagen hören. Aber die geschickte Verflechtung von
Actionfilm und Kriegsdoku, sowie die mal ganz andere Sicht auf gesellschaftswissenschaftliche Themen wie Slumbildung und Kriminalität, Fremdenhass und Macht der Konzerne hat mir 112 Minuten lang so
viel Spaß gemacht, wie kein Science Fiction der letzten Jahre.

Der Humor und Gewaltgrad entsprachen genau meinem Geschmack. [SPOILER] Die Liebesgeschichte, die erst gegen Ende an Bedeutung gewinnt, habe ich als selbstironische Anspielung auf
Hollywood-Klischees verstanden. Das Ende und die Andeutung der 3 Jahre (was übrigens etwa dem Turnus von Kinonachfolgern entspricht) war vielleicht wirklich etwas erzwungen. Ich steh da auch eher
auf tragische Enden, die einen Punkt hinter die Geschichte setzen.