Independent Games: Tale of Tales live @ Merz Akademie

Veröffentlicht auf von Daniel



Spieleliebhaber aufgepasst!
Wie unschwer mitzuverfolgen war, geriet der Computer- und Videospielemarkt im Laufe der letzten Jahre zunehmend in die Hand der Spielegiganten wie EA, Activision Blizzard oder Square Enix. Diese Entwicklung ist nicht zwingend schlecht, gab es die letzten Jahre mit »Gears Of War 2«, »Grand Theft Auto IV« und »Metal Gear Solid 3« doch einige hervorragende Triple-A-Titel. Bereits in den Startlöchern stehen »Starcraft 2« und »Need For Speed:Shift«.

Dennoch, irgendwie vermisst man sie, die kleinen Spiele mit besonderem Charme, denen man anmerkt, dass sie die Handschrift von wenigen Entwicklern, vielleicht sogar nur einer Person tragen. Abseits der Megaproduktionen war es eine zeitlang still - doch die Independentszene erwacht zunehmend aus ihrem Dornröschenschlaf!

Wunderbare Titel wie Jonathan Blows »Braid« und Jonas Rohrers »Passage« lenken den Fokus endlich wieder auf die kleinen Titel, die mit wenig Geld, aber viel Herzblut entstehen. Zu den angesagtesten Independent-Entwicklern dieser Tage gehört auch das Pärchen Auriea Harvey (USA) und Michaël Samyn (Belgien), die gemeinsam die Mikro-Spieleschmiede Tale of Tales bilden.

                                      
Im Rahmen der »Happy Front End«-Ringvorlesung kamen die beiden sympathischen Gamedesigner zu Besuch an die Merz-Akademie Stuttgart, standen geduldig Rede und Antwort und erzählten über ihre Vergangenheit als Webdesigner, bzw. die Entstehung von Tale of Tales. Ausführlich schilderten sie die ernüchternden Erfahrungen, mit bahnbrechenden Ideen an den Markt zu gehen - denn für das äußerst interessante Projekt »8«, das ein wenig an »Ico« (Sony) erinnert, war es unmöglich, einen Publisher zu finden. Zu riskant die Idee, zu ungewiss der Erfolg. Ein wenig frustriert wandten sie sich ab von den großen Publishern und versuchen sich seit dem als Independent-Entwickler mit Eigenvertrieb. Und so langsam kommt das Rad in Schwung.






Ihr ultra-konsequentes Art Game »Graveyard« gefiel nicht jedermann, sorgte durch eine radikale Reduzierung der Steuerung aber für viel Diskussionsstoff. Was ist überhaupt ein Computerspiel? Im fantasievollen Online-Paradies »The Endless Forest« treiben sich bis heute zahlreiche Hirsche mit Menschen-ähnlichen Gesichtern herum und ihr neuester Streich »The Path« - erschienen für PC und Mac - ist schon so etwas wie ein echter Erfolg.


Äußerst inspirierend war es, den zwei Entwicklern zuzuhören, die selbst leidenschaftliche Gamer sind. So fielen sich die Gastreferenten regelmäßig ins Wort, konnten gar nicht genug erzählen von der kreativen Arbeit hinter den Titeln, die ihnen durch die innige Auseinandersetzung regelrecht ans Herz gewachsen sind. In der anschließenden Fragerunde gaben sie zu, keinen besonderen Reiz an komplizierten (»Portal«, »Braid«) oder zu schnellen Spielen zu finden. Außerdem interessieren sie sich kaum für Spiele, deren Entwickler sie nicht beim Namen kennen - der Gedanke der Autorenschaft innerhalb der Spieleentwicklung und eine eindeutige Handschrift sind für sie mehr ein Gütesiegel, als ein Fünf-Millionen-Budget. Als Beispiel für einen Titel mit viel Charakter nannte Auriea »Silent Hill«.



Infos
zu den aktuellen Projekten findet ihr nebst einem äußerst unterhaltsamen Blog auf der Website: http://tale-of-tales.com/

Wer sich für die Webdesign-Ära der beiden interessiert, schaut hier vorbei: http://entropy8zuper.org/

In Zukunft wird Fiddler's Blog zunehmend ein Auge auf die Szene werfen. Hier tut sich einiges! Wann bekommt »Braid« einen würdigen Nachfolger? An was werkeln Tale of Tales in Zukunft? Und wieso, verdammt noch eins, verstehe ich Rod Humbles »The Marriage« nicht? Einfach dranbleiben ...

 

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